Unsere Chronik

1864 - 1945

Ein Blick in die Chronik der Westerheimer Musikanten zeigt, dass die Entstehung einer Musikkapelle bis in das Jahr 1864 zurückreicht.
Obwohl bereits einige Jahre vor der Vereinsgründung eine kleine Musikvereinigung bestand, die sich zum Teil aus Musikanten umliegender Ortschaften zusammensetzte und zu den verschiedensten Anlässen aufspielte, kann man vom Bestehen eines eigenständigen Vereins erst ab dem Jahre 1864 sprechen.
Um nämlich nicht mehr länger auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, beschloss der damalige Hilfslehrer Josef Maier, eine „eigene“, vollständige Musikkapelle zu gründen. Lehrer Maier, der während seiner Studienzeit an der Lehrerbildungsanstalt in Lauingen das Trompetenspiel erlernt hatte, übernahm selbst die Leitung und Ausbildung der Kapelle.
Zunächst traten zehn musikbegeisterte Westerheimer der Kapelle bei. Die Gründungsmitglieder waren:

Xaver Bodenmüller, Anton Briechle, Franz Josef Eberhard, Gottfried Grimm, Martin Grimm, Franz Josef Huber, Matthias Heiß, Johann Probst, Franz Schugg und Andreas Weißenhorn.

Hervorzuheben ist, dass die Musikanten ihre Instrumente, die Noten und die Ausbildung selbst bezahlen mussten. Schon bald konnten durch fleißiges Üben mehrere Stücke aufgeführt werden, die bei Konzerten in Westerheim, Sontheim und Lauben sowie 1871 bei den Friedensfeiern vorgetragen wurden.

Musikanten 1864

Von nun an war die Musikkapelle nicht mehr aus der Dorfgemeinschaft wegzudenken, wie die zahlreichen Eintragungen in das Kassenbuch – man höre – des Veteranenvereins belegen.
1875 legte Josef Maier sein Dirigentenamt nieder. Bis 1895 übernahm Johann Probst die schwere Aufgabe des Dirigenten, ihm folgte bis 1901 Benedikt Böck.
Eine ehrenvolle Anerkennung muss dem nachfolgenden Dirigenten Josef Hebel („Käpeller“) zugeschrieben werden. Er leitete die Musikkapelle mit kurzen Unterbrechungen von 1901 bis 1936. Er steigerte das musikalische Können ständig, bis der Ausbruch des ersten Weltkrieges diese Entwicklung jäh unterbrach. Beinahe der gesamte Musikkörper musste zum Militär einrücken. Der Krieg hatte die Musik zum Schweigen gebracht.
Nach Kriegsende meldeten sich wieder neue Mitglieder – die Proben und Auftritte nahmen ihren gewohnten Lauf. Es ging also weiter.
Im Jahre 1924 konnte die Musikkapelle dann ihr 60. Gründungsjubiläum feiern. Zahlreiche Musikkapellen folgten der Einladung und nahmen am Massenchor und am Festzug teil. Man darf sicher sein, dass vor dem Gropper’schen Gasthaus, wo zum Festzug aufgestellt wurde, so manche Maß Bier vernichtet wurde.
Während dieser Zeit spielte man alljährlich am Fronleichnahmstag, bei Theateraufführungen des Burschenvereins, beim Radverein, zum Waldfest, zum Erntedankfest, beim Veteranenjahrtag und bei der Christbaumfeier des Veteranenvereins, um nur die wichtigsten Auftritte zu nennen. Selbstverständlich durfte die Musik bei keiner Hochzeit fehlen und leider musste sie auch so manches Mal den Toten die letzte Ehre erweisen.
Die musikalische Tätigkeit blieb aber keinesfalls auf das eigene Dorf beschränkt. Im Februar 1927 machte man eine Schlittenfahrt nach Frechenrieden, wo man spielte und anschließend noch 55 Reichsmark sammelte. Bei Radfahrfesten in Erkheim, Sontheim und Heimertingen war man auch ein gern gesehener Gast und 1931 nahm man an den Musikfesten in Kellmünz und Sontheim, 1933 am Musikfest in Memmingen teil. Sicherlich präsentierte unsere Musikkapelle bei diesen Gelegenheiten nicht ohne Stolz ihre im Jahre 1930 neu angeschafften schneidigen Uniformen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges brach für die Musikkapelle eine schwere Zeit an. Ein Großteil der Mitglieder wurde zu den Waffen gerufen. Mancher blieb tod oder vermisst auf dem Schlachtfeld zurück. Magnus Leuchtle, der 1936 nach dem Tod von Josef Hebel das Dirigentenamt übernahm, konnte nur mit einem kleinen Häuflein zurückgebliebener Musikanten die musikalische Tätigkeit aufrechterhalten. Immer öfter musste man bei Gottesdiensten für gefallene Soldaten spielen.


Musikanten 1930



1864 - 1945

Nach Kriegsende wurde wieder langsam, aber stetig der Aufbau der Kapelle in Angriff genommen. Dabei sei besonders auf den Dirigenten Karl Heinz Ludewig, Klavierbauer und
Kapellmeister aus St. Gallen in der Schweiz, hingewiesen, der sich mit viel Liebe und großem Sachverstand der Förderung unserer Musikkapelle gewidmet hat.
1949 trat die Musikkapelle Westerheim dem Allgäu-Schwäbischen Musikbund bei. Im folgenden Jahr nahm man am 1. Bezirksmusikfest in Markt Rettenbach teil und belegte sogleich in der Stufe „Leichte Musik“ einen „1A Preis“.
Bald wurde der Gedanke wach, die Musikkapelle nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch auf feste Beine zu stellen. Das bisherige Verhältnis einer losen Gemeinschaft wurde durch Beschluss vom 10.01.1954 in einen gesetzlich verankerten Verein umgewandelt, dem durch eifrige Werbung 138 Mitglieder beitraten. Gründer des Vereins war Oberlehrer Hugo Six, der auch Dirigent der Kapelle vom 1952 bis 1958 war.

Das Jahr 1954 stand neben der Vereinsgründung ganz im Zeichen des 90. Gründungsjubiläums, verbunden mit dem 5. Musikfest des Bezirkes Memmingen im Allgäu-Schwäbischen Musikbund. Welche überschwängliche Begeisterung bei diesem Bezirksmusikfest herrschte, vermag ein Artikel aus der Memminger Zeitung zu verdeutlichen, in dem es heißt:



(…) Nicht nur der Jubelverein, nicht nur die Gemeindeverwaltung, sondern

 

ganz Westerheim hatten dieses große Fest vorbereitet und das
Menschenmögliche getan, den organisatorischen Rahmen dieses Bezirksund
Jubiläumsfestes zu schaffen. So grüßten Willkommen Worte auf
Spruchbändern die auswärtigen Gäste, die Häuser waren beflaggt und
geschmückt und der Festplatz mit dem riesengroßen Festzelt mustergültig
organisiert. (…)

Nach seiner Versetzung in den Ruhestand legte Oberlehrer Hugo Six im Jahre 1958 sein Dirigentenamt nieder. Dessen Nachfolge trat der Flügelhornist Franz Hebel an.
Ihre Verbundenheit mit dem schwäbischen Brauchtum bekundete unsere Musikkapelle im Jahre 1959, als sie Dank finanzieller Unterstützung durch zahlreiche Westerheimer Bürger und der  Gemeindeverwaltung eine schwäbische Tracht anschaffen konnte.

1. Reihe v.l.: Franz Fleischmann, Georg Koch, Herbert Heiß, Adolf Feierabend
2. Reihe v.l.: Max Koch, Gallus Halder, Xaver Demmeler, Franz Hebel, Ludwig Negele, Konrad Merrath
3. Reihe v.l.: Anton Königsberger, Anton Kollmus, Leonhard Feierabend, Ludwig Demmeler, Meinrad Feierabend, Alfred Ludwig, Adolf Weidhofer, Josef Huber
4. Reihe v.l.: Karl Mauersberger, Anton Bertelmann, Horst Weidhofer, Anton Heiß, Michael Merk, Josef Merk, Erwin Aurbacher, Magnus Koch


Musikanten 1960

Die Aufwärtsentwicklung des Musikvereins blieb aber auch nicht von Rückschlägen verschont. Nicht ohne Hoffnungen nahm man im selben Jahr am 10. Bezirksmusikfest in Ollarzried teil. Leider erwischten unsere Musikanten unter der Leitung eines Aushilfsdirigenten einen kohlrabenschwarzen Tag und konnten mit der „C-Moll Ouvertüre“ nur einen 2. Rang in der Unterstufe erreichen. Wie ein Musiker treffend bemerkte, war man „am schenschta a’zoga, haut ab’r am menschta g’schpielt“.
Wer nun aber glaubte, dass unsere Musikanten nach diesem Tiefschlag den Kopf in den Sand stecken würden, sah sich getäuscht. Jetzt erst recht, lautete die Devise. Mit Eifer legte man sich ins Zeug, im darauffolgenden Jahr wagte man sogar den Sprung in die Mittelstufe und konnte beim Bezirksmusikfest in Kronburg/Illerbeuren unter der bewährten Leitung von Franz Hebel einen hervorragenden 1. Rang erspielen. Die mühevolle Probenarbeit hatte sich gelohnt, die Schmach von Ollarzried war vergessen.


 


1964 - 1989

Herausragendes Ereignis im Jahre 1964 war zweifellos das vom 27. bis zum 29. Juni abgehaltene 100. Gründungsjubiläum der Blaskapelle, welches zugleich das 10. Gründungsfest des Musikvereins war. Anlässlich dieses damals seltenen Jubiläums wurde die Feier, verbunden mit einer Fahnenweihe, zu einem kameradschaftlichen Musikertreffen ausgeweitet.
Franz Hebel leitet die Musikkapelle noch bis 1967, als er aus geschäftlichen Gründen vom Amt des 1. Dirigenten zurücktrat. Bis ins Jahr 1998 blieb er jedoch als 2. Dirigent den Westerheimer Musikanten aufs engste verbunden.
Eine glückliche Hand bewies Franz Hebel, als er das Talent und die Musikbesessenheit des 1. Klarinettisten Adolf Feierabend erkannte und diesen zu seinem Nachfolger bestimmte. Unter der neuen Stabführung begann eine beispiellose Aufschwungphase unserer Musikkapelle. 1967 erreichte man beim Bundesmusikfest in Memmingen in der Mittelstufe noch einen 1. Rang, aber schon eine Jahr später erzielte man beim Bezirksmusikfest in Legau ebenfalls in der Mittelstufe einen hervorragenden 1. Rang mit Auszeichnung.
Neben der Pflege der konzertanten Musik wandte sich die Kapelle aber auch der Stimmungsmusik zu. Anstelle ihres bisherigen Namens Musikverein Westerheim wählten die Bläser Westerheimer Musikanten zum neuen Aushängeschild.
Dass sich die Musikkapelle auch organisatorisch im Umbruch befand, beweist die kuriose Tatsache, dass es zeitweise zwei Vorstandschaften gab (Musikverein und Kapelle). Da nun immer öfters auswärts gespielt wurde, musste der Vorstand aus praktischen und repräsentativen Gründen immer dabei sein. So lag es nahe, eine Vorstandschaft zu wählen, die in erster Linie aus aktiven Musikern bestand.
1971 wurden die Vereinsstatuten geändert. Ab diesem Zeitpunkt konnten nur aktive Musiker die Vorstandschaft wählen bzw. in die Vorstandschaft gewählt werden.
Neuer Vorstand wurde der Bassist Anton Königsberger, der den langjährigen Vorstand des Musikvereins, Andreas Feierabend, ablöste. Anton Königsberger machte sich neben der Ausrichtung des 110jährigen Jubiläums in Verbindung mit dem 20. Bezirksmusikfest im Jahre 1974 vor allem bei der Umformung der traditionellen Musikkapelle in eine Kapelle, die sich neben der Ausübung konzertanter Musik auch der Pflege anspruchsvoller Stimmungsmusik widmet, verdient.

Dass dies nicht immer einfach war, berichtet uns die Memminger Zeitung in dem Artikel Applaus belohnt die Probenarbeit:

(…) Leider blieb nicht aus, was das Los einer aufstrebenden Kapelle zu sein scheint. Neider überhäuften den Dirigenten und Vorstand mit anonymen Briefen und Anrufen und ließen wissen, weniger das musikalisch Können sei es, als die vorgetragene Schau, was die Westerheimer Musikanten beim Publikum so beliebt mache, (…)

 


Doch Dirigent Adolf Feierabend ließ sich durch solche Neider nicht beirren und setzte beharrlich seinen eingeschlagenen Weg fort. Von nun ab nahm man regelmäßig an Wertungsspielen in der Oberstufe teil. Dabei konnten immer sehr gute Ergebnisse erreicht werden. Mehrere erster Ränge mit Auszeichnung ließen die Kritiker endgültig verstummen.
Ein wesentlicher Grundstein für die Beliebtheit der Westerheimer Musikanten wurde in dieser Zeit gelegt. Die hervorragenden Arrangements von Adolf Feierabend bereichern bis heute das Repertoire der Kapelle und haben geholfen, ein eigenes, unverwechselbares Markenzeichen, das mit dem Namen Westerheimer Musikanten verbunden ist, zu schaffen.

Das Jahr 1972 war neben der erstmaligen, erfolgreichen Teilnahme an einem Wertungsspiel in der Oberstufe auch hinsichtlich verschiedener anderer Ereignisse besonders erwähnenswert. Im gleichen Jahr durften Magnus Koch und Josef Huber stellvertretend für die gesamte Kapelle die begehrte Pro Musica-Plakette in Empfang nehmen.

Ebenfalls wurde in diesem Jahr erstmals ein Bayerischer Stimmungsabend im Hotel Hirsch in Ottobeuren durchgeführt, der von da an über 25 Jahre fester Bestandteil im Jahresablauf der Musikkapelle geworden ist. Der große Erfolg des Stimmungsabends ist nicht zuletzt durch die Mitwirkung des beliebten Allgäuer Humordoktors Dr. Erich Berninger zurückzuführen. Durch seine verschmitzt-trockene Art konnte Erich immer das Publikum begeistern. Durch sein jahrelanges Mitwirken entwickelte sich eine innige Freundschaft zwischen den Westerheimer Musikanten und Dr. Erich Berninger. Bald wurde er zum Ehrenmitglied der Kapelle ernannt. Es sei nicht ohne Stolz vermerkt, dass die Kapelle anlässlich des 1. Bayerischen Stimmungsabend, der zugunsten der Aktion Sorgenkind abgehalten worden war, auch zu Fernsehehren kam.

Erich Berninger

Für Aufsehen sorgten unsere Musikanten, als sie erstmals in kurzen Lederhosen auftraten. Bei Stimmungswettbewerben in Erkheim, Steinheim und Oberopfingen konnte man jeweils als erster Sieger hervorgehen.

4. Reihe v.l.: Rainer Leuchtle, Anton Königsberger, Hans Glaß, Reinhard Martin, Magnus Koch, Erwin Aurbacher, Georg Wolf, Josef Blank
3. Reihe v.l.: Franz Fickler, Anton Heiss, Michael Blank, Peter Amann, Ludwig Demmeler, Matthias Feierabend
2. Reihe v.l.: Franz Reich, Ludwig Negele, Paul Heigele, Anton Groß, Max Koch, Georg Jöchle, Karlheinz Bail, Gallus Halder
1. Reihe v.l.: Adolf Feierabend, Herbert Heiss, Gerhard Wolf, Franz Fleischmann, Georg Koch


Musikanten 1972

Das Jahr 1974 stand ganz im Zeichen des 110jährigen Gründungsjubiläums, welches in Verbindung mit dem 20. Bezirksmusikfest abgehalten wurde. Als Demonstration der gutpartnerschaftlichen Beziehung zwischen den Gemeinden Westerheim/Alb und Westerheim/Allgäu führten unsere Musikkameraden von der Schwäbischen Alb den Festzug an. 33 Musikkapellen, acht Festwagen und mehrere Pferde- und Ponygespanne verliehen dem Fest ein prächtiges Bild und einen würdigen Rahmen. Noch im gleichen Jahr besuchten die Westerheimer Musikanten zum ersten Mal die St. Sebastianus- Schützenbrüderschaft in Meckenheim bei Bonn. Seither verbindet uns auch mit den Schützenbrüdern eine innige Freundschaft. Regelmäßig werden unsere Musikanten als Gastkapelle für den Festabend, das Frühschoppenkonzert und den Festumzug verpflichtet und nicht zuletzt wegen der anspruchsvollen Stimmungsmusik geschätzt.

4. Reihe v.l.: Rainer Leuchtle, Anton Königsberger, Georg Wolf, Erwin Aurbacher, Josef Merk, Magnus Koch, Andreas Hebel
3. Reihe v.l.: Franz Fickler, Anton Heiss, Michael Blank, Peter Amann, Ludwig Demmeler, Matthias Feierabend, Georg Jöchle, Max Koch, Karlheinz Bail, Gallus Halder
2. Reihe v.l.: Thomas Aurbacher, Franz Fleischmann, Herbert Heiss, Georg Koch, Gerhard Wolf, Adolf Feierabend, Anton Groß, Paul Heigele, Ludwig Negele, Franz Reich
1. Reihe v.l.: Norbert Aurbacher, Wolfgang Amann, Karin Mayer, Hans Heiss



Musikanten 1974

Den Freunden aus Westerheim / Alb, wie auch den Freunden aus Werl/Sönnern bei Dortmund und aus Meckenheim bei Bonn möchten die Westerheimer Musikanten bei dieser Gelegenheit ein aufrichtiges Dankeschön für die überaus warme und herzliche Gastfreundschaft, mit der sie jedesmal aufgenommen wurden, aussprechen.
Das folgende Jahr verlief für die Kapelle wieder etwas ruhiger. Bei der anstehenden Wahl zur Vorstandschaft dankte Anton Königsberger wegen Arbeitsüberlastung ab. Neuer Vorstand wurde Max Koch, der zuvor das Amt des Kassiers innehatte. Beim Musikfest in Hawangen konnte in der Oberstufe ein 1. Rang mit Auszeichnung erzielt werden. Der bayerische Stimmungsabend in Ottobeuren, das Trachtenfest in München-Grünwald, der ZDF-Ball in Stuttgart und das traditionelle Herbstkonzert im Hirschsaal in Ottobeuren waren weitere Höhepunkte dieses Jahres.
Anhand des Jahres 1976 soll verdeutlicht werden, welchen Umfang die musikalische Tätigkeit mittlerweile angenommen hatte: im Beispieljahr wurden 60 Proben (à 2 Stunden) abgehalten, 6 davon waren Registerproben. Allein für die Nachwuchsarbeit, auf welche Dirigent Adolf Feierabend sehr großen Wert legt, mussten weitere 80 Probestunden aufgewendet werden. Insgesamt waren 36 Auftritte, 17 davon auswärts, zu verzeichnen.
Dass sich hinter diesen nackten Zahlen vor allem für den Dirigenten Adolf Feierabend ein immenser Zeit- und Arbeitsaufwand verbirgt, muss man sich erst einmal vor Augen halten: alle Proben, einschließlich der arbeitsintensiven Nachwuchsproben, wurden von Dirigent Adolf Feierabend selbst geleitet. Das bedeutet im Bereich der Nachwuchsarbeit, dass sämtliche Zöglinge im Einzelunterricht von Adolf Feierabend an ihren jeweiligen Instrumenten ausgebildet wurden, ganz gleich, ob an Holz- oder Blechblasinstrumenten bzw. am Schlagzeug. Berücksichtigt man außerdem den Zeitaufwand für die zahlreichen Auftritte einschließlich der damit verbundenen Auf- und Abbauzeiten, so wird deutlich, mit welchem Idealismus, Sachverstand und vor allem mit welcher Ausdauer unser Dirigent die Musikkapelle leitet.
Nicht viel anders ergeht es der Vorstandschaft unter der rührigen Leitung von Max Koch, der für den organisatorischen Teil der Westerheimer Musikanten verantwortlich zeichnet. Viel Arbeit im Verborgenen ist erforderlich, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten: zahlreiche Briefe müssen geschrieben, Verträge ausgehandelt, Telefonate geführt, Termine besprochen, Fahrmöglichkeiten organisiert und Konzerte anderer Musikkapellen besucht werden. Und, und, und…
Es darf ohne Übertreibung gesagt werden, dass das Wirken der Westerheimer Musikanten ohne den aufopfernden Einsatz ihres Dirigenten Adolf Feierabend und der Vorstandschaft möglich gewesen wäre.
Anlässlich eines erneuten Besuches der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft in Meckenheim bei Bonn im Jahr 1977 wurde unsere Blaskapelle die seltene Ehre zuteil, dem damaligen Bundestagspräsidenten Karl Carstens ein Ständchen darzubieten. Bei dieser Gelegenheit erhielt er von Vorstand Max Koch ein Allgäuer Kuhglocke mit dem Wappen der Gemeinde Westerheim und einer Widmung der Westerheimer Musikanten überreicht. Im Dezember desselben Jahres wurde dann erstmals das Herbstkonzert aus Platzgründen in der Verbandsturnhalle in Erkheim abgehalten. Im Hirschsaal in Ottobeuren fanden in den Folgejahren nur noch die bayerischen Stimmungsabende statt.
Aufgrund der häufigen Auftritte entschlossen sich 1978 die Westerheimer Musikanten zum Kauf von strapazierfähigen, hirschledernen Bundhosen, welche die bereits 1959 angeschafften Stoffbundhosen sowie die bereits erwähnten kurzen Lederhosen ersetzten.
Die Teilnahme am Bezirksmusikfest in Amendingen im Jahr 1979 erbrachte in der Oberstufe erneute einen 1. Rang mit Auszeichnung. Auch in den folgenden Jahren wurden regelmäßig Wertungsspiele besucht und Konzerte abgehalten. Speziell für diese Anlässe schaffte man im Jahr 1982 Kesselpauken an. 1983 trugen die Musikanten mit dem musikalischen Beitrag »Donner und Doria« ihren Teil zum guten Gelingen der Landkreisschallplatte »Blasmusik aus dem Unterallgäu« bei.
Im Jahr 1984 stand dann das 120. Gründungsjubiläum ins Haus. Da das Bezirksmusikfest bereits nach Wolfertschwenden vergeben war, entschlossen sich die Westerheimer Musikanten, ein Zeltfest verbunden mit Jubiläumstagen abzuhalten. Die Teilnahme beim Wertungsspiel in Wolfertschwenden erbrachte in der Oberstufe wiederrum einen 1. Rang mit Auszeichnung. In das gleiche Jahr fiel auch der erste Auftritt unserer Kapelle im Rahmen der »Allgäuer Festwoche« in Kempten. Gleich auf Anhieb konnte ein so großer Erfolg verbucht werden, dass man seitdem jedes Jahr erneut verpflichtet wurde. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass zu dieser Gelegenheit alljährlich ein großer Troß von musikbegeisterten Fans aus Westerheim und Umgebung den Musikanten in die Allgäu-Metropole folgt.

Musikanten 1984

Mit dem »Festlichen Einzug« von Hans Hartwig eröffneten die Westerheimer Musikanten 1986 ihr traditionelles Herbstkonzert, welchen nun erstmalig in der neu erbauten, gemeindeeigenen Turn- und Festhalle abgehalten werden konnte. Neben der Einweihung dieser Halle und der musikalischen Gestaltung der Primizfeier von Josef Kirchensteiner zählte vor allem auch der gelungene Musikerausflug, der uns nach Mainfranken führte, zu einem der zahlreichen Höhepunkte dieses Jahres.
1987 durften die Westerheimer Musikanten intern ein ganz besonderes Jubiläum feiern. Unser Dirigent Adolf Feierabend konnte nämlich nicht ohne Stolz auf seine mittlerweile 20jährige, erfolgreiche Dirigententätigkeit zurückblicken. Verbunden mit dem Wunsch aller Musikanten, noch viele Jahre fit zu bleiben und den Taktstock zu führen, konnte er aus den Händen von Vorstand Max Koch ein Fahrrad in Empfang nehmen. Bereits im Frühjahr des gleichen Jahres nahm unsere Kapelle eine Musikkassette auf, die rückblickend noch einmal die Arbeit unseres Dirigenten würdigen soll. Auf ihr sind neben traditionellen Märschen und böhmischen Musikstücken vor allem auch verschiedene Arrangements von Adolf Feierabend, wie z. B. »Happy time« und nicht zu vergessen seine »Glenn-Miller-Story«, verewiglicht.
Im Jahr 1988 wurden bereits die Weichen in Richtung auf das bevorstehende Jubiläum gestellt. Aus der Notwendigkeit heraus, die inzwischen arg in Mitleidenschaft gezogenen Hirschlederbundhosen zu ersetzen, und als deutliches Zeichen der Vorfreude auf das näherrückende Fest erneuerten die Westerheimer Musikanten unter Mithilfe der Trachenberatungsstelle Schwaben ihre bisherige Tracht.
1989 feierte die Kapelle ihr 125 jähriges Gründungsjubiläum in Verbindung mit dem 35. Bezirksmusikfest des ASM. Zum Festsonntag hatten sich 64 Kapellen und Gruppen eingefunden und es versprach ein prachtvoller Umzug zu werden. Leider hatte Petrus aber an diesem Tag etwas anderes geplant und so ergoss sich die ganze Pracht in einem heftigen Gewitterregen. Umzugsteilnehmer wie Zuschauer wurden durchnässt bis auf die Knochen und noch heute erinnert sich jeder, der dabei war an dieses Fest.

4. Reihe v.l.: Koller Robert, Leuchtle Rainer, Königsberger Anton, Vögele Anton, Aurbacher Norbert, Streitel Hans, Aurbacher Erwin
3. Reihe v.l.: Hebel Andreas, Heiss Anton, Bail Karlheinz, Merk Michael, Halder Gallus, Demmeler Ludwig, Feierabend Matthias
2. Reihe v.l.: Feierabend  Adolf, Reich Franz, Heiss Hans, Hebel Paul, Negele Ludwig, Negele Stefan, Halder Gallus, Hecht Sylvia, Koch Max, Negele Herbert, Probst Winfried
1. Reihe v.l.: Aurbacher Thomas, Feierabend Alexandra, Fickler Franz, Schiller Thomas, Königsberger Stefan, Hebel Bernhard, Wolf Gerhard, Amann Wolfgang, Fleischmann Robert, Feierabend Winfried

Musikanten 1989

 


1990 - 2010

1991 gab Max Koch nach erfolgreichen 17 Jahren dann anlässlich der Neuwahlen sein Amt als 1. Vorstand an Thomas Aurbacher ab. Dieser führt die Kapelle bis heute mit großem Engagement.
1994 erkrankte Dirigent Adolf Feierabend zum Entsetzen der Kapelle und der ganzen Gemeinde schwer und das Konzert, auf das zu dem Zeitpunkt fleißig geprobt wurde, konnte nicht unter seiner Stabführung stattfinden. Trotzdem wollte man die Veranstaltung nicht absagen und so sprang kurzerhand der damalige Flügelhornist Georg Jöchle als Dirigent ein.
Zur großen Erleichterung aller ging es mit der Genesung von Adolf Feierabend rasch voran. Zu seinem 30-jährigen Dirigentenjubiläum im Jahre 1997 leitet er zum letzten Mal das Herbstkonzert. Im Herbst 1998 reiste ein Teil der Kapelle nach Amerika und spielte dort zum Oktoberfest auf. Dies war zugleich der letzte Auftritt von Adolf Feierabend als Dirigent. Danach spielte er noch das Baritonsaxophon bis er 1999 seinem aktiven Musizieren in der Kapelle ein Ende setzte. Im gleichen Jahr wurde er dann zum Ehrendirigenten ernannt.
Als sein Nachfolger konnte 1998 Winfried Probst als Dirigent gewonnen werden. Dieser hatte in den Jahren zuvor regelmäßig bei den Konzerten im Schlagwerk ausgeholfen. Der äußerst talentierte Vollblutmusiker konnte sich jedoch nicht recht vorstellen einer Blaskapelle voranzustehen. Somit war viel Überzeugungsarbeit notwendig damit Winfried Probst das Amt zumindest übergangsweise übernimmt. Beim ersten Wertungsspiel unter seiner Stabführung im Jahr 1999 musste er seinen musikalischen Wurzeln als Gitarrist und Sänger der Rockband „Splash“ Tribut zollen. War doch den Wertungsrichtern in Heiligkreuz das forte bei den einzelnen Stücken zu laut und es reichte „nur“ zu einem 1. Rang mit Belobigung. Bereits ein Jahr später beim Bezirksmusikfest in Böhen wurde die Kapelle mit ausgezeichnetem Erfolg bewertet und bis heute wurde nie mehr ein schlechteres Ergebnis erspielt. Dreimal qualifizierte sich die Kapelle sogar schon als beste Oberstufenkapelle im Bezirk 6 für den Bundesentscheid für Oberstufenkapellen des ASM in Ebenhofen, Dinkelscherben und Bad Wörishofen.
Aber auch dem Erfolg im Bereich der Unterhaltungsmusik tat der Dirigentenwechsel keinen Abbruch. Mit den Rock-, Swing- und Partyhit-Arrangements von Winfried Probst begeistert die Kapelle das Publikum bis heute.
Zur Unterstützung der Jugendausbildung wurde 1996 die Bläserschule Günz/Kammel gegründet. Die Westerheimer Musikanten sind Gründungsmitglied dieser Institution, die heute nicht mehr wegzudenken ist. 

4. Reihe v.l.: Koch Max, Negele Herbert, Groner Rolf, Jöchle Georg, Reich Florian, Vetter Sylvia, Reich Franz, Königsberger Anton, Leuchtle Rainer, Reich Tobias
3. Reihe v.l.: Bail Karlheinz, Demmeler Roland, Merk Michael, Aurbacher Michael, Feierabend Bernd, Reich Jürgen, Hebel Roland, Königsberger Matthias, Aurbacher Norbert, Streitel Hans, Koller Robert, Manz Johannes
2. Reihe v.l.: Aurbacher Thomas, Aurbacher Ursula, Schiller Thomas, Hebel Bernhard, Feierabend Winfried, Amann Wolfgang, Wolf Gerhard, Demmeler Ludwig, Feierabend Matthias, Reich Robert, Meiler Daniel, Probst Winfried, Hebel Andreas
1. Reihe v.l.: Feierabend Adolf, Feierabend Diana, Sommer Daniela, Koch Steffi, Feierabend Alexandra, Aurbacher Sandra, Leuchtle Lisa, Königsberger Stefan

Musikanten 1999

1999 wurde die Kapelle ins Vereinsregister eingetragen und nennt sich seither „Westerheimer Musikanten e.V.“ In diesem Jahr durfte die Kapelle noch einmal im Rahmen der „Edelweiß-Tour“ nach Amerika reisen. 2001 folgte der Verein einer Einladung zur St. Sebastianus Schützenbruderschaft nach Meckenheim bei Bonn, zu der schon seit 1974 eine Freundschaft besteht.
Ein großes Projekt war im Jahr 2002 die Gründung des Vororchesters und des Jugendblasorchesters ERWESO, dessen Namen sich aus den drei Gründungskapellen Erkheim, Westerheim und Sontheim ergibt. Der Zweck dieser Gemeinschaft ist es, Jugendliche mit unterschiedlichem Ausbildungsstand zu einer passenden Besetzung mit entsprechender Literatur zusammenzuführen, bis sie dann in die jeweiligen Stammkapellen aufgenommen werden können.
Durch den großen Zuwachs zur Kapelle und auf Grund der Erweiterung des Instrumentariums wurde der Platz im Probelokal immer knapper und so konnte im August 2003 in Eigenregie unter Führung von Norbert Aurbacher und Karl-Heinz Bail mit dem Anbau nach Süden begonnen werden. Vorübergehend wurde im Saal von Gasthaus Hieber geprobt, doch schon Ende September war das Probelokal – zumindest provisorisch – wieder nutzbar und die Vorbereitungen für das Herbstkonzert konnten in gewohnter Weise durchgeführt werden. Im Herbst 2005 wurde das vergrößerte und renovierte Probelokal mit einem Frühschoppen offiziell eingeweiht.
Im März 2004 feierte die Kapelle ihr 140-jähriges Bestehen mit einem Festwochenende. Zum Auftakt spielten die Rockbands Headliner und Splash, deren jeweilige Besetzung sich zum Großteil aus Mitgliedern der Westerheimer Musikanten zusammen setzte. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete der traditionelle Stimmungsabend.
Trotz anfänglicher Bedenken wurde im Jahr 2005 das Herbstkonzert zum ersten Mal als reines Stuhlkonzert durchgeführt. Die Gründe hierfür waren die Vergrößerung der Bühne und die Reduzierung störender Nebengeräusche. Die überwiegend positive Resonanz bestätigte die Entscheidung der Vorstandschaft und somit wurden auch alle weiteren Konzerte in dieser Form durchgeführt.

3. Reihe v.l.: Robert Koller, Wolfgang Ziesel, Stefan Kramer, Herbert Negele, Max Koch, Florian Reich, Franz Reich, Thomas Menig, Walter Bayer, Mathias Königsberger, Norbert Aurbacher
2. Reihe v.l.: Andreas Hebel, Karl-Heinz Bail, Bernd Feierabend, Michael Aurbacher, Thomas Spieler, Bernhard Hebel, Stefan Königsberger, Thomas Schiller, Winfried Feierabend, Benedikt Briechle, Roland Hebel, Jürgen Reich, Robert Reich, Daniel Meiler, Tobias Reich
1. Reihe v.l.: Jonathan Ziesel, Winfried Probst, Thomas Aurbacher, Ursula Aurbacher, Vroni Müller, Carina Braun, Carmen Centanni, Barbara Probst, Anna Kramer, Diana Feierabend, Sandra Aurbacher, Gloria Aurbacher, Tina Stiegeler, Sandra Häring, Katja Ziesel


Musikanten 2006

Auf Einladung des damaligen bayrischen Landwirtschaftsministers Josef Miller fuhr eine kleine Besetzung der Westerheimer Musikanten 2007 auf die Grüne Woche nach Berlin. Geleitet wurde diese kleine Besetzung von der zweiten Dirigentin Sandra Aurbacher. Neben den repräsentativen Auftritten blieb genügend Zeit um die Messe und die Hauptstadt zu besichtigen. Im selben Jahr feierte der Freund und Gönner der Westerheimer Musikanten Rudi Telgenbüscher seinen siebzigsten Geburtstag. Hierzu lud dieser die Kapelle zu sich nach Werl bei Dortmund ein. Dieser Einladung folgten die Musikanten sehr gerne.
2008 machten die Musikanten mit ihren Partnern einen Ausflug ins Zillertal. Hierbei wurden eine Erlebnissennerei, der Achensee, die Krimmler Wasserfälle und der lustige Friedhof Kramsach besichtigt. Winfried Probst konnte entgegen seinem ursprünglichen Vorhaben, den Taktstock nur übergangsweise zu führen, in diesem Jahr sein 10-jähriges Dirigentenjubiläum feiern.


2010 - 2024

Fortsetzung folgt...